Friedrich Nietzsche: Venedig

An der Brücke stand
Jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll’s
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik –
trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus…

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd von bunter Seligkeit.
– Hörte Jemand ihr zu?…

Friedrich Nietzsche, 1888

Quelle: Hans Joachim Simm (Hg.): Deutsche Gedichte, Frankfurt am Main: Insel Verlag 2009. S. 793; vgl. auch Friedrich Nietzsche: Gedichte, hg. v. Ralph Kray und Karl Riha, Frankfurt am Main und Leipzig: Insel 1994.

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