Folge 14: Sizilien unplugged oder der ‚Schlüssel zu allem‘

„Wie wäre unser Bild von, unser Blick auf Italien, wenn wir es nicht in Meran oder Como, sondern in Marsala oder Catania betreten würden?“ (S. 70), fragt der Journalist Andreas Rossmann in seinem sizilianischen Tagebuch Mit dem Rücken zum Meer (2017). Schon Goethe betrachtete Sizilien in seiner Italienischen Reise 1787 als „Schlüssel zu allem“, zu Italien. Dass wir das Italien noch immer entdecken können, zeigen neben Rossmanns Texten die eindrucksvollen schwarz-weiß-Fotografien von Barbara Klemm.

Mit dem Rücken zum Meer ist ein auffälliger Titel für jeden Italientouristen, der von diesem schmalen Land fasziniert ist, auch weil es vom Meer umgeben den Blick immer ins Blaue freigibt. Mit dem Rücken zum Meer aber beschreibt eine ganz andere Perspektive, die der Autor nicht nur mit einem Zitat des Schriftstellers Leonardo Sciascia eröffnet, sondern für sein ganzes Buch geltend macht. Mit dem Rücken zum Meer beschreibt nicht nur eine Perspektive auf Land und Leute, sondern weist dem Meer eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Bedeutung zu. Für den Sizilianer ist das Meer kein Sehnsuchtsort, nicht nur ein Zeichen der Freiheit und des Glücks, sondern ein bedrohlicher Raum, der ebenso Krisen und Gefahren in sich birgt. „Das Meer ist Siziliens immerwährende Unsicherheit, sein launisches Schicksal“, lässt Rossmann den Schriftsteller Sciascia erinnern. Das Meer bringt den Reichtum und führt zugleich ins Verderben, zuweilen sogar in den Tod. Das in diesem Tagebuch dokumentierte sizilianische Leben ist kein Leben inmitten des paradiesischen Meeres, des dolce vita eines Strandtouristen, sondern zeigt sich erst mit dem Rücken zum Meer, in den inländischen Verhältnissen, die sich mitten im Meer auf Sizilien regelrecht auf einem Punkt zentrieren.

Eine Karte in den Buchdeckeln hilft der Orientierung des Lesers, der neben den großen und bekannten Städten wie Palermo, Syrakus, Agrigent und Messina an viele kleinere und unbekanntere Orte geführt wird wie Porticello, Bagheria, Corleone, Castelbuono, Gibellina, Salemi, Reggio Calabria, Augusta, Sant Flavia, Trapani, Ficuzza oder Vizzini, um nur einige wenige zu nennen. In fünf großen Kapiteln, die chronologisch die Jahre 2013-2017 verfolgen, dokumentiert Andreas Rossmann eine Insel aus der Perspektive der Einheimischen, der Ausgewanderten und Eingewanderten, der Zurückgekehrten ebenso wie der Dagebliebenen.

Zufällige Begegnungen, im Flugzeug oder im Café führen Rossmann zu Alltagsrealitäten, zu politischen Problemen, zu Erinnerungen, zur Kunst und zur Geschichte Siziliens. Leonardo Sascia, 1921 in Racamulto/ Sizilien geboren, ist nur eine dieser ästhetischen Spuren: Café- und Restaurantbesitzer, Barbesitzer, Besitzer von Pensionen und Ferienwohnungen, Fischer, Sprachlehrer, Buchhändler, Touristenführer, Pfarrer, Bürgermeister, Politiker, Zufallsbekanntschaften – Menschen und Orte, die an Künstler, Mafiosi und politische Persönlichkeiten erinnern wie die Schriftsteller Giuseppe di Lampedusa, Gabriele D’Annunzio, Elio Vittorini, den Veristen Giovanni Verga, den Dramatiker Luigi Pirandello oder den Krimiautor Andrea Camilleri, den Maler Renato Guttuso bis hin zu Filmemachern wie Giuseppe Tornatore. Zur Sprache kommen dabei ganz leichtfüßig Aspekte italienischer Geschichte wie die „Operation Husky“, die Landung der Alliierten auf Sizilien 1943, der Faschismus und der kommunistische Untergrund oder die Mafia.

Jedes Großkapitel besteht aus einer Reihe mal längerer, mal kürzerer Abschnitte und wird mit einer Anflugszene eröffnet. Im Landeflug begegnet der Erzähler den ersten Sizilianern, ihrem unperfekten Charme, ihrem unzerbrechlichen Optimismus und ihrer chaotischen Offenheit. Dabei beschäftigen die Italiener ganz banale Dinge, ihre Smartphones, ihre Taschen, die sie abholenden Verwandten, das Wetter. Und dann lässt Rossmann sie sprechen, sie erzählen selbst davon, was sie machen, wie sie ihr Land sehen. Rossmann durchsetzt diese Dialoge mit seinen eigenen Beobachtungen, so dass eine dichte Beschreibung Siziliens entsteht, die Bilder freisetzt, die Hand in Hand gehen mit den Fotografien von Barbara Klemm.

Klemms Fotografien sind keineswegs schlichte Illustrationen des Textes, sondern stellen einen eigenen, visuellen „Text“ bereit, der eigenständig gelesen und betrachtet werden kann. Text und Bild spielen sich immer wieder Motive zu, die jedes Medium auf seine spezifische ästhetische Weise erzählt. Dann wieder driften Text und Bild auseinander und verselbständigen sich in ihrem eigenen Erzählen. Beschreibt der Falz eines Buches für einen Text nur einen Seitenwechsel, bedauert der Betrachter der Fotografien diesen zuweilen, doch muss der Wunsch nach großformatigen Drucken der Fotografien Klemms leider eine Sehnsucht bleiben. Doch das schmälert weder die Bilder an sich, noch ihre Erzählung. Mit dem Rücken zum Meer sind auch die meisten Fotografien entstanden, die den Blick ins Innere, in Täler, in Hinterhöfe, in Straßenfluchten, auf Plätze, in Schaufenster, in offene Türen, auf Fassaden oder auf die Höhen des Ätnas richtet – mit dem Rücken zu Meer macht großartige landschaftliche und bauliche Formationen, den Menschen als soziales Wesen, die Einsamkeit der Räume und die Brechungen touristischer Erwartungshaltungen sichtbar.

„Abfall“ ist nicht zufällig ein Stichwort, das die blauen Phantasien des Italienreisenden überschattet. Es fällt so häufig in diesem Buch wie sich Plastiktüten und der Dreck der Straße täglich ansammeln und die den nur schwach ausgeprägten italienischen Gemeinsinn visualisieren. Der Italiener stört sich nicht am Müll. Er ist da und dann wieder weg. Mit ihm der Gestank und Ärger. So lebt es sich mit dem Wandel der Zeit. Er kontrastiert dabei mit Orangenbäumen, sauberen Bahnhöfen und gepflegten Gärten. Doch immer wieder „Müll, überall Müll“ (S. 13). „Berg und Meer, schwarz und weiß, Schönheit und Schrecken, These und Antithese. Palermo ist immer beides: zwiespältig, zweigesichtig, ein Ort harter Gegensätze und großer Extreme.“ (S. 73). Der Müll ist auch ein Indikator für Veränderungen: „Kein Müll, nirgends. Entweder wurde er gerade abgefahren, oder die Zeiten haben sich geändert.“ (S. 61).

Auf der Frankfurter Buchmesse 2017 war Rose-Marie Gropp mit Andreas Rossmann und Barbara Klemm am Mes-sestand der FAZ im Gespräch.

Der Wandel der Zeit zeigt sich über den einzelnen Tag hinaus an den Bausünden, die durch die Modernisierung von Städten entstanden. Diese Fassaden erzeugen ganz anders als der Müll einen „reiseprospektreife[n] Eindruck“ (S. 35), der mit  der „angefressenen, bröckelnden Pracht“ (S. 33) der historischen Städte kontrastiert wird. Die Kontraste entstehen durch das Aufeinanderprallen von Stillstand und Bewegung der Zeit in der Geschichte Siziliens. Zuweilen erscheint es als habe sich über Jahrzehnte, gar Jahrhunderte nichts verändert und dann wieder ist alles ganz anders. So erinnern die niedergegangenen Schwefelminen in Comitini oder die brachliegenden Raffinerien bei Termini Imerese an eine andauernde Wirtschaftskrise, die alles verändert hat: die Jugend Siziliens wandert aus, ganze Ortschaften sind leer, marode und unbelebt, Fischer müssen sich mit staatlichen Fangquoten quälen, ein Leiden an Verwaltung und Staat. Das Agrarland kommt gegen den Kapitalismus nur einmal an: in der Küche. Stolz berichtet ein Restaurantbesitzer, dass McDonald die Restaurants nicht hat vertreiben können, auch Touristen bevorzugen die gute sizilianische Küche. Stark ist Sizilien v.a. durch seine Traditionen und alten Schätze: seine Küche und seine archäologischen Funde, die zahlreiche kleine und große Museen füllen. Und doch trägt sich die Kultur nur schwer: „Noch nie, so das Resümee, sei so vielen Menschen nichts anderes übrig geblieben, als den Schmuck ihrer Eltern oder Großeltern zu versetzen.“ (S. 57)

Geht es für den Sizilianer um das nackte Überleben, versucht die italienische Mafia Profite herauszuschlagen und Macht zu gewinnen. Davon nicht neuartig beeindruckt, oftmals betroffen und immer schockiert über die Gewalt der Mafia und ihre Opfer, erzählt sich die Geschichte der Mafia auf Sizilien aus dem Alltag heraus wie von selbst – vom Mafiakrieg der Cosa Nostra und des Corleone-Clans, den Mafiaprozessen und der Ermordung des Untersuchungsrichters Giovanni Falcone: eine “bleierne Zeit” (S. 90). Sizilien lebt inmitten dieser Strukturen und gefährdet dabei am allerwenigsten die Touristen, die nicht selten um den Preis des Schlüssels zu allem, das Hotel kaum wagen zu verlassen, denn so hat es doch jeder schon einmal gehört, in Palermo ist die Mafia am schlimmsten. Für Entspannung sorgt die Antimafia-Initiative Addiopizzo. Davon hat man auch schon in Deutschland gehört. Viel mehr kann man sich aber nicht vorstellen.

„Das haben wir oft, wenn wir aus Europa kommen. Die haben hier ein ganz anderes Zeitgefühl.“ (S. 72), sagt die Stewardess als die Passagiere noch mit dem Aussteigen warten müssen. Sizilien, das ist eine andere Welt, eine Insel außerhalb der Zeit, fern von der europäischen Gegenwart. „Auf ein paar Jahrhunderte mehr oder weniger kommt es in Sizilien nicht an.“ (S. 104). So schieben sich in Sizilien die Antike oder das Barock in die Gegenwart, während die Armut in der sizilianischen Gegenwart mit dem Rücken zur Zukunft steht, in der sie nur schwer einen Platz findet. Vom Fuße Europas aus ist der Kopf nicht mehr zu sehen: „Italien war einmal begeistert von der europäischen Idee – davon ist nicht viel übrig geblieben.“ (S. 116)

Kein Reiseführer, kein Cinecittà für Italienträume, keine Lektüre für Angsthasen auf Italienreise, keine Lektüre für Leute, die Urlaub machen, aber dabei nicht auf Reisen gehen wollen. Das sizilianische Tagebuch von Andreas Rossmann und Barbara Klemm bringt Überraschendes zutage, schlagen Sie es auf, nehmen Sie den Schlüssel in die Hand und fliegen Sie hin!

Andreas Rossmann lebt in Köln und ist Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Nordrhein-Westfalen. Die Presse-/Fotografin Barbara Klemm war bis zu ihrer Pensionierung 2005 Redaktionsfotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Andreas Rossmann: Mit dem Rücken zum Meer, Ein sizilianisches Tagebuch, mit Fotografien von Barbara Klemm, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König 2017

www.buchhandlung-walther-koenig.de

Rose Ausländer: Im Süden

Im Süden

Mit den Zugvögeln
nach Süden ziehen
wo die Sonne
uns liebt
wo Palmen
ihre Fächer öffnen
wo die Flüsse
Silber sind
wo wir aufgenommen werden

freundschaftlich

Rose Ausländer, Die Sonne fällt, Gedichte 1981-1982, im S. Fischer Verlag erschienen, der zu diesem Band vermerkt:

Die Gedichte dieses Bandes entstanden 1981 und 1982 und wurden von Rose Ausländer zunächst in dem bibliophilen, für Kenner und Freunde gedachten Buch ›Einen Drachen reiten‹ und in der Sammlung ›Mein Venedig versinkt nicht‹ zusammengefaßt. Vor allem dieser zweite Titel war für sie mehr als eine Verszeile – er war ihr poetisches Programm: Trotz allen existentiellen Gefahren, die sie bis zur Neige durchlebt und durchlitten hatte, beharrte sie in ihren Gedichten auf der Einsicht, daß die wahren Schönheiten der Welt unverletzlich sind und also nicht versinken können. Den Erinnerungen an die Jahre der Angst und des Hungers hält sie die Zeilen entgegen: »Ich träume mich satt/an Geschichten/und Geheimnissen.«

1961 vs. 2010

Napoli früher und heute – zwei deutsche Perspektiven

Friederike Römhild, motorini di Napoli visto durante una passeggiata, 2010

Herbert List (1903-1975) war ein deutscher Fotograf, der durch seine zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotografien und ihres oftmals surrealen Eindrucks bekannt wurde. Der studierte Literaturhistoriker und Kaffeekaufmann in der Firma seines Vaters begann unter Einfluss von Künstlern wie Giorgio de Chirico und Man Ray ab 1930 selbst ernsthaft zu fotografieren. Nach seiner Emigration Mitte der 1930er Jahre nach Paris begann List mit Studiofotografien und Auftragsarbeiten für größere Zeitschriften. In Paris hatte er seine erste Ausstellung. Mit einem der bedeutendsten Modefotografen der 1920er und 1930er Jahre, George Hoyningen-Huene, unternahm List Reisen nach Griechenland und Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde List Kunstredakteur bei der Zeitschrift Heute, die von den Besatzungsmächten herausgegeben wurde. Er begann erneut zu reisen, neben Griechenland, Frankreich, Mexiko und der Karibik auch wieder Italien, wo das erste hier gezeigte Foto mit dem Castel d’ovo im Hintergrund entstand. Die zweite Fotografie stammt von eurer Italienreport-Redakteurin Rike Römhild, bereits 2010 während eines langen Italienaufenthalts geschossen, erinnerte ich mich erneut daran als ich kürzlich Herbert List wiederentdeckte. Das Paar, das damals eng umschlungen auf der Promenade flanierte, düst heute nicht unbedingt weniger umschlungen, aber minder romantisch über die Straßen am Golf von Neapel.

Abbildung rechts: Friederike Römhild; Abbilung links: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHerbert_List_-_Napoli%2C_coppia_passeggiata.jpg;

Folge 13: „Unendliche Stille“ oder das Schmelzen der Wahrheit im Schnee

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Davide Longos Der Steingänger und warum dieser Roman keine Kriminalgeschichte ist, aber ein großes Stück Literatur

Im Zentrum des Romans Der Steingänger (2004) von Davide Longo, der kein Kriminalroman ist, aber doch um ein Verbrechen kreist, steht der Steingänger Cesare. Er findet den einunddreißigjährigen Fausto Berardi tot auf, mit dem er über mehrere Jahre Flüchtlinge vom piemontesischen Varaita-Tal an der italienisch-französischen Grenze über die Verge nach Frankreich geschleust hat. Cesare, von vielen „der Franzose“ genannt, weil er mit seiner Familie 1949 nach Marseille gezogen war, kehrte erst als Erwachsener wieder an seinen Geburtsort zurück. Damals in Frankreich war er elf Jahre alt als es in der Schule nicht lief und er wie sein Vater am Hafen zu arbeiten begann. Wegen der Körperverletzung eines Polizisten bei einer Auseinandersetzung auf einem Frachtschiff kam Cesare fünf Jahre in Haft.

Nach seiner Entlassung kehrte er in den Piemont zurück. Verliebt in die junge Adele, die zu heiraten er sich nicht leisten konnte, ließ er sich überreden als Schleuser für afrikanische Flüchtlinge zu arbeiten. Als Cesare Faustos Leiche im Flussbett des Cumbo entdeckt, ist Cesare längst ein einsamer Mann. Seit Adeles Tod vor dreizehn Jahren lebt er zurückgezogen und allein in den Bergen. Der Fund der Leiche sorgt umso mehr für Gesprächsstoff, denn Fausto ist nicht ertrunken, sondern zwei Schüsse nahmen ihm sein Leben. Im Dorf aber reden die Leute mehr übereinander als miteinander und sofort gerät Cesare unter Verdacht. Das ist die Kriminalgeschichte des Romans.

So nebenbei wie Cesares Familiengeschichte in den Roman einfließt, so randständig geht es auch nur um die lückenlose Aufklärung des Mordfalls. In der Kneipe berichten im Hintergrund die Regionalnachrichten im Fernseher von dem Mord. Die Kommissarin Sonia di Meo, die die Ermittlungen im Mordfall leitet, ist immer wieder im Gespräch mit Cesare, doch dabei entsteht zwischen den beiden eine Nähe und Intimität, die weniger der Aufklärung des Verbrechens als der Erhellung der Figur Cesares dient, der sich sein eigenes Bild von der Lage des Falls macht. In Faustos Hütte findet Cesare einen Beutel mit Geld, Untersuchungsergebnissen und Schlüsseln, es gibt ein Konto bei einer Bank in Frankreich, Kontakte in Turin, Hinweise und Spuren, die kaum Antworten bringen. „Durch das Fenster nach Norden drang das Licht bereits leblos herein, das Fenster nach Süden sah aus wie ein weißes, rahmenloses Bild.“ Es ist der Schnee, der alles verschluckt.

Weder die genauen Abläufe, noch ihre Rekonstruktion wie sie typisch für einen Kriminalroman sind, werden hier erzählt, stattdessen erfahren wir von der Wahrnehmungsmatrix der Figuren, z.B. Faustos Vater: „Parin Griros betrachtete die dicken Schneeflocken durchs Fenster, sie waren so weit weg.“ Oder: „Die Kommissarin betrachtete den Schnee, der durch das Mondlicht eintönig aussah.“ Und ohne metaphorisch oder dramatisch werden zu müssen, liegt in diesem schlichten Realismus bereits das ganze Drama der Verlassenheit verborgen. Subtil und klar zugleich.

In den Vordergrund dieses Romans drängt also vielmehr von der ersten Seite an eine dumpfe, bedrückende, stille Atmosphäre, die einen Stimmungsraum erzeugt, in dem die Menschen mit ihrer eigenen Identität auf unterschiedliche Art zu ringen beginnen, im Zentrum Cesare. Diesen atmosphärisch dichten Ton, den der Roman nicht mehr verlieren wird, befördern die Beschreibungen der Landschaft und das Motiv des Schnees. Die Protagonisten fühlen sich dabei ihrer Umgebung völlig entfremdet: „Hinter sich spürte er die Natur, schweigend und still war sie, aber verbunden fühlte er sich ihr nicht. Auch das Haus, das immer sein Zuhause gewesen war, erschien ihm jetzt fremd.“

Beeindruckend ist diese Intensität und Stringenz mit der Longo eine Stille und Verlassenheit erzeugt, die die Figuren umgibt, aber kaum aufrührt. Ob im Bus, auf der Straße, in der Kneipe oder in den Bergen, so farb- und strukturlos wie der Schnee ist auch die Kommunikation der Dorfbewohner und Protagonisten. Eine Sphäre des Schweigens und der Stille, die erzählt, ohne laut zu werden: „Zurück blieb eine Stille aus vielen kleinen Geräuschen, keines übertönte das andere.“, heißt es einmal. So etwa ist das Brummen des Kühlschranks in der örtlichen Kneipe zu hören und nichts weiter – nicht die Stimmen, nicht die Gläser, nicht der Abend, nicht die Straße. Einzig das Brummen des Kühlschranks. Neben der Natur gibt es nur wenige Handlungsorte: da ist Cesares Wohnung, sowie die Hütte Faustos, die Kneipe, die Bäckerei und das Kommissariat.

Auf diese Weise reduziert sich alles im Roman: die Landschaft, die Menschen, ihre Gespräche sowie die Sprache des Autors, die Atmosphäre ebenso wie die Spannung, die Schauplätze ebenso wie die Tageszeiten. In der Reduktion finden Raum und Zeit, Protagonist und Handlung ihre Kraft und Intensität. Diese Reduktion und Stille verschärfen eine Untergangsstimmung, die sich in der Anonymität verliert: „Von draußen kam nicht das leiseste Geräusch, als wäre die Welt längst untergangen.“ So erlebt es der junge Sergio: „Den Menschen passieren so viele Dinge, aber keiner weiß etwas vom anderen.“

Longos Sprache und Bildhaftigkeit stehen teilweise in der Tradition einer italienischen Heimatliteratur und ihres prominentesten Vertreters im 20. Jahrhundert: Cesare Pavese. Bereits Pavese nutzte das Gehen durch die Landschaft, die Qualität der Natur, den Wechsel der Jahreszeiten und den Mond – etwa in Junger Mond (1950) – , auf den auch Longo immer wieder verweist, um eine spezifische Atmosphäre der Einsamkeit und Archaik zu erzeugen. Davide Longo, der mit dem Erscheinen seiner Romane in Deutschland als eine neue Stimme der italienischen Literatur gefeiert wurde, wurde 1971 in Carmagnola bei Turin geboren und steht damit dem Piemontesen Pavese auch geographisch ein wenig nahe.

Statt der Aufarbeitung der einen Tat, ereignen sich neue, völlig sinnlose Gewalttaten. Etwa als Cesare sich in Faustos Hütte – dem Tatort – umsieht, trifft er auf Sergio, dem einzigen Zeugen von Faustos Tod. Bevor er ihn erkennt, verletzt er ihn schwer mit einem Messer. Das Gefühl der Grausamkeit entwickelt der Leser selbst, gerade indem der Text ganz bei der bloßen Schilderung dieser Realitäten bleibt. So wird auch die Beerdigung Faustos völlig unsentimental erzählt: „Auf dem Friedhof hielt der Pfarrer eine kurze Predigt, dann wurde der Sarg in die Familiengruft gelegt und der Leichenbestatter schob eine Metallplatte vor die Öffnung, denn es sah nach Schnee aus und vor dem nächsten Tag hätten sie sie nicht verschließen können.“

Als Cesare und Sergio schließlich den letzten Transport von Flüchtlingen erledigen, den eigentlich Fausto hätte machen sollen, kommt es im Gebirge zu einer Schießerei. Der Angreifer wird schließlich erschossen. Dass es sich dabei um denjenigen handelt, mit dem Cesare noch am Grab Faustos gestanden und zu dem er eine langjährige Freundschaft hatte, erwartet der Leser allerdings nicht. Auch wenn ihm vielleicht einfällt, das Cesare gerade ihm von der letzten Überführung der Flüchtlinge nach Frankreich erzählt hatte. Und so bleibt es spannend.

Von der ersten Sekunde an liegt eine Spannung in der Luft dieses Textes, die bis zum Schluss und noch über ihn hinaus anhält. Der ausführlich erzählte Gang durchs Gebirge mit den Flüchtlingen zeichnet immer stärker die Angst ab, die auch Cesare umgibt, der bis dahin trotz aller schrecklichen Ereignisse von einer auffälligen Souveränität umgeben ist. Mit der Fluchtbewegung kommt auch Cesares Psychogramm in Bewegung. Der Ruf einer Eule ist es, der Cesare nach dem Schusswechsel im Gebirge klar macht, „wie einsam er war. Nicht wie sonst, wenn er sich in sein Zimmer einsperrte oder bei dem alten Fort saß. Vielmehr eine Einsamkeit, die man weder mit jemandem teilen noch jemandem mitteilen konnte, denn sie mußte unberührt bleiben, und der Preis dafür war das Schweigen.“ Und auch der Roman selbst berührt diese Einsamkeit nicht, sondern schafft es mit dem völlig reduzierten Erzählvorgang und der Reflexion der Wahrnehmungsprozessen, diese Einsamkeit zur Darstellung zu bringen, ohne sie zugleich antasten zu müssen. Dieser Roman redet, in dem er das Schweigen achtet, er erzählt, ohne zu verraten, er erinnert, ohne zu erfinden.

Das Schweigen der Dorfbewohner und der vom Schnee immer wieder bedeckte Ort selbst, erweisen sich als Motiv: „Es ist dumm, wenn man etwas unbedingt wissen will, Cesare. Zumal es die Zweifel sind, die uns am Leben erhalten.“ Die Suche nach Erkenntnis, das Ausräumen der Zweifel, das Aussprechen der Fragen wird Cesare mit dem Mord an seiner Hündin bitter bestraft. „Cesare kniff die Augen zusammen, die Sonne blendete allzu stark wegen des Schnees.“ Der Schnee ist das Motiv, um Macht und Wissen zu verhandeln. Es schmerzt in den Augen, wenn man auf ihn sieht, ihn schmelzen will. Das Schweigen der Menschen dieses Ortes wird so mehr und mehr zu einem Mechanismus der Unterdrückung. Wer spricht, hat Schlimmes zu befürchten. „Man könnte meinen, in diesem Tal sei Reden eine Schande“, stellt die Kommissarin Sonia fest.

Und doch sind der Schnee und das Schweigen das einzige Lebenszeichen: „Die riesigen weißen Haufen, die der Schneepflug zu beiden Seiten des Denkmals aufgetürmt hatte, waren das einzige Lebendige im Dorf.“ Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass das Leben der Menschen dieses Ortes schon längst untergegangen ist, womöglich schon vor Faustos Tod. Denn nichts ist da, was sich trägt, außer die Existenz des Schnees – kein Wärme zwischen den Menschen, keine Aufgeschlossenheit und Nächstenliebe und vor allem kein Vertrauen, weder in die Menschen, noch in das Leben der Gemeinschaft. Ganz am Ende des Romans, als der Auftrag vollbracht ist und es erneut einen Toten im Gebirge gibt, beginnt der Schnee zu schmelzen und der Text zieht sich noch einmal kurz in die Erinnerung zurück bevor es schließlich auch für Cesare zu spät ist.

Obwohl Davide Longos Roman bereits 2004 in Italien erschien und in deutscher Sprache erstmals 2008 im btb Verlag veröffentlicht wurde, ist Longo bei den deutschen Lesern eigentlich erst seit den Neuauflagen des Romans im Wagenbach Verlag 2015 und im Rowohlt Verlag 2016 wirklich angekommen. Vielmehr als ein Krimiautor ist Davide Longo also, auch wenn er nach seiner Entdeckung in Deutschland v.a. als ein solcher gelesen wird. Das mag vielleicht auch an dem Titel seines zweiten ins Deutsche übersetzten Romans liegen: „Der Fall Bramard“ erschien 2015 im Rowohlt Verlag. Der Fall Longo ist damit noch lange nicht abgeschlossen.

Foto: © Paolo Giagheddu, Rowohlt Verlag

Siehe Davide Longo im Rowohlt Verlag

Siehe Davide Longo im Wagenbach Verlag

Episodio 13: „Silenzio infinito“ o la fusione della verità nella neve

Il mangiatore di pietre di Davide Longo e perché questo romanzo non è un giallo, ma un grande pezzo di letteratura

Nel centro del romanzo Il mangiatore di pietre (2004) di Davide Longo che non è un giallo, ma gira intorno a un delitto, sta Cesare. Lui trova morto il trentenne Fausto Berardi con cui ha fatto passare per alcuni anni i profughi dalla valle Varaita attraverso i monti in Francia. Cesare, chiamato da tutti “il francese”, perché era trasferito colla famiglia a Marseille 1949, rientra solamente di nuovo come adulto nella sua patria. Quel giorno a Francia aveva undici anni quando non riusciva la scuola e cominciava lavorare al porto come lo faceva anche suo padre. Perché una lesione personale di un poliziotto durante un litigio su un bastimento Cesare doveva andare per cinque anni in prigione.

Dopo il suo rilascio tornava in Piemonte. Innamorato nella giovane Adele lui si lasciava convincere di lavorare come scafista per i profughi africani per il motivo di ricevere i soldi per il matrimonio con Adele. Quando Cesare scopre la salma di Fausto nell’alveo del Cumbo lui è già da molto tempo un uomo solitario. Dal morto di Adele tredici anni fa viveva ritirato e solo nei monti. La scoperta della salma causa per di più materia di conversazione, perché Fausto non è affogato, ma ucciso da due spari. Nel villaggio la gente parla più l’uno sull’altro di insieme e subito Cesare è sospettato. Questa è la storia criminale del romanzo.

La storia della famiglia di Cesare si svolge per inciso nel romanzo come l’ininterrotta delucidazione del caso di omicidio. Nel bar i telegiornali regionali in fondo rapportano dall’omicidio. La commissaria Sonia di Meo che dirige gli accertamenti del caso dell’omicidio è sempre di nuovo in dialogo con Cesare.

Ma tra tutte due sorge una vicinità ed intimità che serve di meno la delucidazione del delitto e più la chiarificazione della figura Cesare che si fa la sua propria idea della cosa. Cesare trova in capanna di Fausto un sacco con i soldi, i risultati delle analisi e le chiavi, ci sono un conto di banca in Francia, contatti a Torino, indicazioni e tracce che quasi non portano qualche risposta. “Nella finestra al nord la luce già si infiltrava inanimata, la finestra al sud sembrava come un quadro bianco e senza cornice.” La neve assorbe tutto.

Né il decorso esatto né la sua ricostruzione com’è tipica per un giallo diventano raccontato, ma conosciamo la matrice della percezione dei figuri, per esempio la padre di Fausto: “Parin Griros considerava i grossi fiocchi di neve in finestra, erano così lontano.” O: “La commissaria considera la neve che sembra monotona tramite la luce della luna.” E senza diventare metaforico o drammatico, in questo realismo semplice si trova nascosto la totale dramma  della solitudine. Sottile e chiaro allo stesso momento.

Dunque in primo piano di questo romanzo si spinge di più dalla prima pagina una silenziosa e deprimente atmosfera che crea uno spazio di spirito in cui gli uomini cominciano di lottare con la loro propria identità in modi diversi, nel centro Cesare. Questa tonalità atmosferica e densa che il romanzo non perde più fino la fine è trasportata tramite le descrizioni del paesaggio e dal motivo della neve. I protagoniste si sentono straniati dal dintorno: “Dietro di se si sente la natura, era silente e zitta, ma non si sentiva collegato con lei. Anche la casa che era stata sempre la sua propria casa, gli sembrava adesso straniata.”

Quest’intensità e questo rigore sono impressionanti con cui Longo crea un silenzio e una solitudine che circonda le figure, ma non le sommuovono. In autobus, sulla strada, in bar o nei monti, così incolore e senza struttura come la neve è anche la comunicazione degli abitanti di villaggio e delle protagoniste. Una sfera del non parlare e del silenzio che racconta senza diventare ad alta voce: “Rimaneva indietro un silenzio di tanti piccoli rumori, nessuno copre l’altro.”, si legge una volta. Da ascoltare è il ronzio del frigo in bar locale e niente l’altro – non le voci, non i bicchieri, non la serata, non le strade. Unicamente il ronzio del frigo. Accanto alla natura ci sono solamente pochi luoghi dell’azione: c’è l’appartamento di Cesare, la capanna di Fausto, il bar, il panificio e il commissariato.

Tutti nel romanzo si riduce in questo modo: il paesaggio, gli uomini, loro conversazioni ed anche la lingua dell’autore, sia l’atmosfera che la tensione, i luoghi dello spettacolo nonché le ore. In questa riduzione lo spazio ed il tempo, le protagoniste e l’azione trovano la loro forza ed intensità. Questa riduzione e silenzio inaspriscono un’ atmosfera apocalittica che si perde nell’anonimità: “Da fuori non arriva il rumore più piano, come il mondo fosse affondato da molto tempo.” Così il giovane Sergio viverlo: “Gli uomini succedono tante cose, ma nessuno sa qualcosa dall’altro.”

Questa lingua e plasticità di Longo sta parzialmente in traduzione di una letteratura di sfondo regionale e il suo rappresentante più famoso del Novecento: Cesare Pavese. Già Pavese utilizzava l’andata attraverso il paesaggio, la qualità della natura, il cambio degli stagioni e della luna – per esempio in La luna è il falò (1950) – , a cui anche Longo riferisce, per creare una specifica atmosfera di solitudine e di essere arcaico. Davide Longo che era festeggiato come una nuova voce della letteratura italiana in Germania dopo l’uscita del suo romanzo, è nato 1971 a Carmagnola presso a Torino e sta vicino il piemontese Pavese anche in senso geografico.

Invece della chiarificazione dell’omicidio succedono nuovi atti di violenza senza senso. Per esempio quando Cesare si guarda intorno alla capanna di Fausto – il luogo del delitto – e incontra Sergio, l’unico testimone dal morto di Fausto. Primo riconoscergli gli feriva grave col coltello. Il sentimento della crudeltà sviluppa il lettore per se stesso appena perché il testo rimane alla descrizione pure della realtà. Così è anche raccontato totalmente senza emozioni il funerale di Fausto: “Sul cimitero il parroco teneva una breve predica, poi la cassa da morto era messa nella tomba della famiglia ed il becchino spingeva un piccola paglietta davanti alla apertura, perché sembrava che c’è ancora la neve e primo il prossimo giorno non la avessi potere chiudere.”

Quando Cesare e Sergio arrangiano alla fine lo scorso trasporto dei profughi che doveva fare normalmente Faust, si avviene una sparatoria nella montagna. L’aggressore finalmente diventa sparato. Che si tratti dell’uomo con cui Cesare stava alla tomba di Fausto primo e con cui gli collega un’amicizia lunga, il lettore non aspetta. Anche se si ricorda che Cesare ha raccontato in realtà lui dall’ultima traslazione dei profughi in Francia. Ma così rimane avvincente.

Dal primo secondo è nell‘aria del testo una tensione che continua fino la fine e anche oltre a ciò. L’andatura con i profughi attraverso la montagna che è raccontata ampiamente fa vedere sempre di più la paura che cinge Cesare che era a dispetto degli eventi caratterizzato di una sovranità vistosa. Con il movimento dei profughi anche la psicogramma di Cesare prende l’aire. È la chiamata di un gufo che Cesare lascia rendersi conto dopo il scontro fuoco “come era solitario. Non come di solito quando lui si rinchiudeva nella camera o sedeva al vecchio forte. Anzi una solitudine che né si divide con qualcuno né comunicare qualcuno, perché serve che rimane non toccato. Per questo il prezzo è il silenzio.” E anche il romanzo non tocca questa solitudine, ma riesce con la riduzione della narrazione e la riflessione dei processi di percezione presentare questa solitudine senza toccarla. Questo romanzo parla rispettando il silenzio, racconta senza rivelare, ricorda senza inventare.

Il silenzio dei abitanti paesani e il luogo che è coperto dalla neve sono motivi: “E sanno, Cesare, se si vuole sapere qualcosa assolutamente. Soprattutto perché sono i dubbi che ci alimentano.” La ricerca della conoscenza, l’eliminazione dei dubbi, la dibattimento delle domanda di Cesare diventa punito duro con l’omicidio della sua cagna. “Cesare chiude gli occhi, il sole abbacina troppo forte per via della neve.” La neve è il motivo per trattare il potere ed il sapere. Fa male negli occhi se si vede la neve, se si vuole squagliarla. Il silenzio degli uomini di questo luogo diventa viepiù un meccanismo di repressione. Qui parla devi temere il male. “Si può intendere in questa valle il parlare sarebbe una vergogna”, dice la commissaria Sonia.

E comunque la neve ed il silenzio sono l’unico segno della vita: “Gli enormi cumoli bianchi che il spazzaneve accatasta sui due lati del monumento erano l’unica cosa vivace nel villaggio.” Sempre più chiaro si fa vedere che la vita degli uomini di questo luogo è già tramontata, possibilmente già primo la morte di Fausto. Perché c’è niente che si porta a parte dell’esistenza della neve – alcuno caldo tra gli uomini, alcuna apertura mentale e l’amore del prossimo e soprattutto alcuno fedeltà né negli uomini né nella vita della comunità. Proprio alla fine del romanzo quando la committenza è realizzata  e c’è di nuovo uno morto nella montagna la neve comincia squagliare e il testo si ritira ancora una volta nel ricordo primo è troppo tardi finalmente anche per Cesare.

Anche se il romanzo di Davide Longo usciva in 2004 in Italia e la prima volta in tedesco era pubblicato in 2008 nella casa editrice btb, Longo è proprio arrivato ai lettori tedeschi fino dalla riedizione del romanzo nella casa editrice Klaus Wagenbach 2015 e nella casa editrice Rowohlt 2016. Cioè Davide Longo è più di un autore dei gialli, anche se diventa letto come questo in Germania. Questo è forse causato dal titolo del suo secondo libro tradotto in tedesco: “Il caso di Bramard” è pubblicato 2015 a Rowohlt. E con questo il caso Longo non è ancora finito.

(Le traduzioni dei citazioni di Longo sono fatte di Rike Römhild stessa)

Folge 10: Düsseldorf – Das Kaiserpanorama

Schaufenster zur Welt oder die Entdeckung Süditaliens in Deutschland

Der Berliner Physiker und Unternehmer August Fuhrmann (1844-1925) erfand im 19. Jahrhundert das so genannte Kaiserpanorama. Der Nachbau eines solchen Kaiserpanoramas ist im vierten Stock des Düsseldorfer Filmmuseums zu sehen.

Ab 1870 entwickelte Fuhrmann in bis zu 250 Städten Serien von jeweils fünfzig Bildern. Die thematisch geordneten Bilderserien waren durch fernglasähnliche Okulare zu sehen, die in von innen beleuchtete Rundkabinette eingebaut waren. Diese Rundkabinette wurden durch ein Uhrwerk angetrieben und ein Klingelzeichen läutete alle zwanzig Sekunden den Wechsel der Bilder ein. Eine gewöhnliche Vorstellung, die von etwa bis zu fünfundzwanzig Personen gleichzeitig betrachtet werden konnte, dauerte ca. zwanzig Minuten. Um 1910 existierten rund 650 Bilderzyklen zu je fünfzig handkolorierten doppelten Glasdias. August Fuhrmann hatte mit dem Kaiserpanorama ein populäres Massenmedium geschaffen, das er erstmals 1880 in Breslau präsentierte und 1883 in die Kaiserpassage – eine Einkaufsgalerie – nach Berlin Mitte verlegte.

Die Schaufenster zur Welt dienten sowohl der Vergnügung als auch der Entdeckung exotischer Länder und unbekannter Welten wie Palästina, Russland, Norwegen, Südamerika oder eben Italien. Die in Düsseldorf zu sehende Serie zeigt nicht nur Sehenswürdigkeiten wie etwa „POMPEJI – In der Museumshalle“, sondern auch Alltagsszenerien wie den Verkehr in den Straßen Neapels: „NEAPEL – Häuser und Verkehr von Santa Lucia“. Grundsätzlich führten Kaiserpanoramen neben Kulturgütern, musealen Objekten und Stadtansichten auch Naturspektakel wie den Ausbruch des Vesuvs vor. Dabei nährte das Kaiserpanorama sowohl die Neugierde als auch die Vorbehalte und Ängste der Zuschauer vor dem Fremden. Zwischen Faszination und Aufklärung befriedigten die Kaiserpanoramen folglich unterschiedliche Interessen. Stand nicht ein spezifisches Werbeinteresse für das eigene Land im Vordergrund, so waren es neben dem Vergnügen und Spektakel v.a. Bildungsinteressen, die mit dem Kaiserpanorama erfüllt wurden. Die Bildserien dienten der Länder-, Völker und Heimatkunde exotischer, unerreichbarer Länder in der Ferne.

 

 

 

 

Der deutsche Philosoph, Kulturkritiker, Übersetzer und Schriftsteller Walter Benjamin (1892-1940) verfasste einen kleinen Text mit dem Titel „Das Kaiserpanorama“, der in seiner Berliner Kindheit um neunzehnhundert 1932-34/1938 erschien und von seinen Eindrücken erzählt:  

Es war ein großer Reiz der Reisebilder, die man im Kaiserpanorama fand, daß es nicht darauf ankam, wo man die Runde anfing. Denn weil die Schauwand mit den Sitzgelegenheiten davor Kreisform hatte, passierte jedes sämtliche Stationen, von denen aus man durch je ein Fensterpaar in seine schwach getönte Ferne sah. Platz fand man immer. Und besonders gegen das Ende meiner Kindheit, als die Mode den Kaiserpanoramen schon den Rücken kehrte, gewöhnte man sich, im halbleeren Zimmer rundzureisen.

Musik, die Reisen mit dem Film so erschlaffend macht, gab es im Kaiserpanorama nicht. Mir schien ein kleiner, eigentlich störender Effekt ihr überlegen. Das war ein Klingeln, welches wenige Sekunden, ehe das Bild ruckweise abzog, um erst eine Lücke und dann das nächste freizugeben, anschlug. Und jedesmal, wenn es erklang, durchtränkten die Berge bis auf ihren Fuß, die Städte in ihren spiegelklaren Fenstern, die Bahnhöfe mit ihrem gelben Qualm, die Rebenhügel bis ins kleinste Blatt, sich mit dem Weh des Abschieds. Ich kam zur Überzeugung, es sei unmöglich, die Herrlichkeit der Gegend für diesmal auszuschöpfen. Und dann entstand der nie befolgte Vorsatz, am nächsten Tage noch einmal vorbeizukommen. Doch ehe ich mir schlüssig war, erbebte der ganze Bau, von dem mich die Holzverschalung trennte; das Bild wankte in seinem kleinen Rahmen, um sich alsbald nach links vor meinen Blicken davonzumachen. […]

(Walter Benjamin: Berliner Kindheit um neunzehnhundert, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1986. S. 14-15).

Heute sind insgesamt nur ca. sechs originale Kaiserpanoramen und ein paar Nachbildungen erhalten. Von den ursprünglich 110 000 Stereobildern tauchten 1979 etwa 12 000 in Berlin wieder auf. Originale erhaltene Kaiserpanoramen sind heute in den Stadtmuseen von München und Wels (Österreich), im Deutschen Historischen Museum und im Märkischen Museum in Berlin zu sehen.

Episodio 10: La panorama del imperatore

La vetrina al mondo o la scoperta d’Italia del Sud in Germania

Il fisico ed imprenditore berlinese August Fuhrmann (1844-1925) inventava nel Novecento la così detto panorama del imperatore. Al quarto piano del Museo del Film di Düsseldorf (Nordreno-Vestfalia) si può vedere una ricostruzione. Dal 1870 Fuhrmann sviluppava serie con per volta cinquanta immagini a circa 250 città. Le serie degli immagini erano raggruppato in modo tematico ed erano da vedere tramite oculari consimile come cannocchiali che sono incassato in gabinetti rotondi ed illuminati. Questi gabinetti erano azionati attraverso un meccanismo d’orologeria. Un trillo suonava tutti venti secondi per cambiare i quadri. Una presentazione di regola, che potevano vedere sincronico venticinque persone, durava circa venti minuti. Nell’anno 1910 esistevano circa 650 cicli d’immagini con cinquanta dispositive di vetro colorato a mano. August Fuhrmann aveva costruito colle panorame del imperatore un mass-media popolare che presentava la prima volta 1880 a Breslava e che spostava 1883 in passaggio del imperatore – un centro commerciale – a Berlino.

Le vetrine al mondo servivano sia il divertimento sia la scoperta dei paesi esotici e mondi inconosciuti come Palestina, Russia, Norvegia, America del Sud o anche Italia. La seria che si può vedere a Düsseldorf fa vedere non solo i luoghi d’interesse come “Pompeji – la palestra del museo”, ma anche le scene nelle strade di Napoli: “Napoli – case e traffico di Santa Lucia”. Principalmente le panorame del imperitore presentavano accanto i beni culturali, oggetti museali e vedute di città anche un baccano naturale come l’eruzione del Vesuvio. La panorama del imperatore nutriva sia la curiosità sia le riserve e le paure degli spettatori del paese straniero. Tra fascinazione e delucidazione le panorame del imperatore accontentano conseguentemente interessi diversi. Non era in linea prima un interesse pubblicitario per il proprio paese, erano accanto il divertimento e lo spettacolo soprattutto gli interessi di formazione ed educazione che la panorama del imperatore adempieva. Le serie degli immagini servivano la etnologia, la geografia regionale e la materia di studio della realtà locale e regionale dei paesi lontani, esotici ed inarrivabili.

Il filosofo, critico culturale, traduttore e scrittore tedesco Walter Benjamin (1892-1940) scriveva un piccolo testo col titolo “Das Kaiserpanorama” (“La panorama del imperatore”) che usciva nel suo libro Berliner Kindheit um neunzehnhundert/Infanzia berlinese intorno al milenovecento (1932-34/38) e raccontava di suoi impressioni:

Era un grande fascino degli immagini di viaggio che si trova nella panorama del imperatore . Non importava dove si cominciava vedere la serie. Perché lo schermo con i posti a sedere davanti aveva una forma circolare  ogni immagine passa tutti stazioni da cui si vedeva per via di un paio di finestre in una lontananza colorato debole. Un posto si trovava sempre. E particolarmente contro il fine della mia infanzia, quando la moda già voltava le spalle alle panorame del imperatore, si abituava viaggiare in tondo nella camera a metà vuoto.

La musica che fa i viaggi con il film flaccido, non c’era nella panorama del imperatore. Mi sembrava dominante un piccolo effetto proprio perturbatore. Era un trillo che abbaia pocchi secondi primo l’immagine cambiava a scatti per sbloccare primo un interstizio e poi la prossima immagine. E ogni volta, se risuona i monti fino i suoi piedi, le città nelle sue finestre chiare come specchi, i stazioni con i suoi fumo giallo,le vigne fino ogni fogliettino si imbevono col dolore dell’addio. Ero convinto che sia impossibile esaurire la gloria dei paraggi per questa volta. E poi cresceva la premeditazione che non ho mai seguito di passare di nuove il prossimo giorno. Ma primo ero risoluto la costruzione completa da cui mi separa dal rivestimento in legno tremava; l’immagine oscillava nella sua cornice per sparire presto alla sinestra davanti i miei sguardi. […]

(Walter Benjamin: Berliner Kindheit um neunzehnhundert, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1986. S. 14-15; traduzione qui di Friederike Römhild)

In totale oggi sono conservati circa sei panorame del imperatore originale e pocche ricostruzioni. Dagli 110 000 immagini di stereo originario ricomparivano 12 000 immagini 1979 a Berlino. Le panorame del imperatore che sono conservati originale si trovano oggi nei musei della città di Monac e Wels (Austria), nel Deutsches Historisches Museum e nel Märkisches Museum a Berlino.

Folge 9: Die Freude zu schreiben: von der Leidenschaft für das Schreiben auf der ganzen Welt

von Annarita Faggioni, Übersetzung Friederike Römhild

Folge 9: Online mit „Il Piacere di Scrivere“

Es war einmal ein kleiner Blog und das war 2011. Der kleine Blog wollte nicht größer werden als er war, sondern anderen nur zur Hand gehen. Er sah viele gigantische große Blogs, aber jeder hatte sein bevorzugtes Thema und Spezialgebiet.

Es gab Vorschläge für Wettbewerbe, es waren die Namen von Verlagen zu lesen und wer wie schreibt. Jeder blieb dabei für sich. Der kleine Blog hingegen wollte über alle diese Sachen zusammen sprechen und wollte nur die ansprechen, die selbst auch schreiben. Und zwar um ihnen zu helfen, nichts weiter. 

Der kleine Blog wusste, dass es sehr schwierig für einen Autor ist, ein Buch zu veröffentlichten. Seine Mutter hatte es von klein auf versucht, ohne es jemals zu schaffen. Nun als sie zwanzig Jahren alt war und an der Universität studierte, lernte sie in einer neuen Weise zu schreiben und vielleicht konnte das Schreiben so ihre Zukunft werden.

So begann die Geschichte von Il Piacere di Scrivere, die am 1. März sechs Jahre vollendet. Der kleine Blog hat nun Erfolg und auch seine Mama. Heute ist er ein Web-Journal, das nicht mehr nur zu den italienischen Autoren spricht, die ein Buch veröffentlichen wollen oder bei Wettbewerben teilnehmen möchten.

Wer Il Piacere di Scrivere liest, kann auch ein Copywriter, ein SEO, ein Verleger oder eine Literaturagentur sein. Eine Freude, die für jeden ein Zuhause wird, direkt oder indirekt, der den Stift für seine Arbeit braucht und das Lesen liebt.

Die Seite hat verschiedene Sektionen und Rubriken zur Vertiefung. Die Interviews sind in der Sektion „Libri in Cultura“ und gelegentlich schaffen wir es auch Videos zu drehen. Dann gibt es Wettbewerbe, eine Sektion für den, der einen Blog hat oder als Texter arbeitet, Hilfestellungen für die, die das Schreiben lernen und Bücher einem Verlag präsentieren möchten und vor allem die Sektion „International“.

Letztere ist die Sektion, die sich in den letzten Jahren am meisten entwickelt hat und die uns erlaubt, hier zu sein, heute, bei Italienreport. Zu Beginn, war „International“ nur ein Blick auf das, was draußen passiert im italienischen Fenster. Dann hat unsere Freundin Sara Svolacchia gefragt, ob sie einen Artikel in Frankreich schreiben darf: ein großer Erfolg, der auch die Brücke geworden ist, die uns heute erlaubt, zusammen zu sprechen. Il Piacere di Scrivere hat schon die Realität im Ausland befragt und Menschen interviewt. Noch nicht oft, aber gelegentlich.

Heute träumen wir auch davon, den debütierenden, neu einsteigenden Autoren zu helfen und nicht nur denen einer bestimmten Nationalität: Italien. Die Literatur ist eine Kunst, die die Sprachen und die Grenzen überwindet. Wir glauben an ihre Kraft und wollen unsere Erfahrungen all jenen verfügbar machen, die die Ohren spitzen und in der Hand einen Stift halten, auch jenseits der Alpen.

Von Herzen danken wir Friederike und den Freunden von Italienreport aus Deutschland :). Wir warten auf euch!