Folge 9: Die Freude zu schreiben: von der Leidenschaft für das Schreiben auf der ganzen Welt

Le mani scrivono sulla macchina da scrivere

von Annarita Faggioni, Übersetzung Friederike Römhild

Folge 9: Online mit “Il Piacere di Scrivere”

Es war einmal ein kleiner Blog und das war 2011. Der kleine Blog wollte nicht größer werden als er war, sondern anderen nur zur Hand gehen. Er sah viele gigantische große Blogs, aber jeder hatte sein bevorzugtes Thema und Spezialgebiet.

Es gab Vorschläge für Wettbewerbe, es waren die Namen von Verlagen zu lesen und wer wie schreibt. Jeder blieb dabei für sich. Der kleine Blog hingegen wollte über alle diese Sachen zusammen sprechen und wollte nur die ansprechen, die selbst auch schreiben. Und zwar um ihnen zu helfen, nichts weiter. 

Der kleine Blog wusste, dass es sehr schwierig für einen Autor ist, ein Buch zu veröffentlichten. Seine Mutter hatte es von klein auf versucht, ohne es jemals zu schaffen. Nun als sie zwanzig Jahren alt war und an der Universität studierte, lernte sie in einer neuen Weise zu schreiben und vielleicht konnte das Schreiben so ihre Zukunft werden.

So begann die Geschichte von Il Piacere di Scrivere, die am 1. März sechs Jahre vollendet. Der kleine Blog hat nun Erfolg und auch seine Mama. Heute ist er ein Web-Journal, das nicht mehr nur zu den italienischen Autoren spricht, die ein Buch veröffentlichen wollen oder bei Wettbewerben teilnehmen möchten.

Wer Il Piacere di Scrivere liest, kann auch ein Copywriter, ein SEO, ein Verleger oder eine Literaturagentur sein. Eine Freude, die für jeden ein Zuhause wird, direkt oder indirekt, der den Stift für seine Arbeit braucht und das Lesen liebt.

Die Seite hat verschiedene Sektionen und Rubriken zur Vertiefung. Die Interviews sind in der Sektion „Libri in Cultura“ und gelegentlich schaffen wir es auch Videos zu drehen. Dann gibt es Wettbewerbe, eine Sektion für den, der einen Blog hat oder als Texter arbeitet, Hilfestellungen für die, die das Schreiben lernen und Bücher einem Verlag präsentieren möchten und vor allem die Sektion „International“.

Letztere ist die Sektion, die sich in den letzten Jahren am meisten entwickelt hat und die uns erlaubt, hier zu sein, heute, bei Italienreport. Zu Beginn, war „International“ nur ein Blick auf das, was draußen passiert im italienischen Fenster. Dann hat unsere Freundin Sara Svolacchia gefragt, ob sie einen Artikel in Frankreich schreiben darf: ein großer Erfolg, der auch die Brücke geworden ist, die uns heute erlaubt, zusammen zu sprechen. Il Piacere di Scrivere hat schon die Realität im Ausland befragt und Menschen interviewt. Noch nicht oft, aber gelegentlich.

Heute träumen wir auch davon, den debütierenden, neu einsteigenden Autoren zu helfen und nicht nur denen einer bestimmten Nationalität: Italien. Die Literatur ist eine Kunst, die die Sprachen und die Grenzen überwindet. Wir glauben an ihre Kraft und wollen unsere Erfahrungen all jenen verfügbar machen, die die Ohren spitzen und in der Hand einen Stift halten, auch jenseits der Alpen.

Von Herzen danken wir Friederike und den Freunden von Italienreport aus Deutschland :). Wir warten auf euch!

Episodio 9: Il piacere di scrivere: dalla passione per la scrittura al mondo

Annarita Faggioni

Online con “Il Piacere di Scrivere”, Teil II

di Annarita Faggioni

C’era una volta un piccolo blog e quella volta era il 2011. Il piccolo blog non voleva essere grande, ma solo dare una mano. Vedeva tanti blog grandi quanto giganti, ma ognuno aveva il suo argomento preferito.

C’era chi proponeva solo concorsi, chi solo i nomi delle case editrici, chi come scrivere. Ognuno andava per conto suo. Il piccolo blog, invece, voleva parlare di tutte queste cose insieme e voleva parlare solo a chi scriveva. Solo per aiutare, non per altro. 

Il piccolo blog sapeva che era molto difficile per uno scrittore pubblicare un libro. La sua mamma ci aveva provato fin da piccola, senza mai riuscirci. Ora che aveva 20 anni e che stava studiando all’università, stava imparando a scrivere in un modo nuovo e, forse, scrivere così poteva diventare il suo futuro.

Così comincia la storia de “Il Piacere di Scrivere”, che il 1° Marzo compirà sei anni. Il piccolo blog ne ha fatta di strada e anche la sua mamma. Ora è un Web Journal che non parla più solo agli autori italiani che vogliono pubblicare un libro o partecipare ai concorsi. 

Chi legge “Il Piacere di Scrivere” può essere anche un copywriter, un SEO, un editore o un’agenzia letteraria. Un piacere che è diventata una casa per chiunque, in maniera diretta o indiretta, usa la penna per lavorare e ama leggere.

Il sito ha diverse sezioni e rubriche di approfondimento. Le interviste sono alla sezione “Libri in Cultura” e, ogni tanto, riusciamo anche a fare dei video. Poi ci sono i concorsi, rigorosamente senza quota per l’autore, la sezione per chi ha un blog o fa copywriting per lavoro, le guide per imparare a scrivere e a presentare un libro all’editore e, soprattutto, la sezione “International”.

Questa è la sezione che si è evoluta di più nell’ultimo anno e che ci permette di essere qui, oggi, su ItalienReport. All’inizio, “International” era solo uno sguardo a quello che succedeva fuori dalla finestra Italia.

Poi, la nostra amica Sara Svolacchia ha chiesto di poter scrivere un articolo dalla Francia: un grande successo che è diventato anche il ponte che ci permette oggi di parlare insieme. “Il Piacere di Scrivere” aveva già intervistato realtà all’estero, ma solo ogni tanto.

Oggi, invece, sogniamo anche di aiutare gli autori esordienti e non di qualsiasi nazionalità. La letteratura è un’arte che travalica le lingue e i confini. Noi crediamo nella sua forza e vogliamo mettere a disposizione quella che è stata questa nostra esperienza a chiunque tenda l’orecchio e tenga in mano una penna, anche oltre le Alpi.

Grazie di cuore a Friederike e agli amici di ItalienReport dalla Germania :). Vi aspettiamo.

Il Piacere di Scrivere

https://ilpiacerediscrivere.it/

 

Folge 8: Italienreport: ein deutsch-italienisches Magazin oder „Liebe kann man nicht erklären”

Il Piacere di Scrivere love writing

Online con “Il Piacere di Scrivere”, Teil I

von Rike Römhild
 

Von den Bäumen hört man es manchmal schon wieder zwitschern, die Sehnsucht nach dem Frühling wird langsam wieder wach. Ein erstes Frühlingserwachen hat Italienreport bei Twitter erlebt, als die Gründerin und Redakteurin Annarita Faggioni von Il Piacere di Scrivere mit Italienreport in Kontakt getreten ist, um das Magazin auf ihren Seiten zu präsentieren. Und nun können wir es zwitschern: Es ist so weit. Unter diesem Link ist Italienreport mit einer eigenen italienischen Präsentation online gegangen. Folgt ihr dem Link, gelangt ihr zur italienischen Originalversion. Original? Das ist Italienreport auch auf Deutsch. Wer also der italienischen Sprache nicht mächtig ist, der darf trotzdem mit zwitschern. Gleich im Anschluss findet ihr die deutsche Version des Artikels! 

Viel Spaß und allen ein fröhliches Frühlingserwachen wünscht Italienreport!

***

Italienreport:
magazine tedesco-italiano o lamore non si spiega”

 

Dagli alberi si sente a volte di nuovo cinguettare gli uccelli e la nostalgia di primavera sveglia lentamente. Italienreport ha vissuto un primo risveglio della primavera da Twitter quando la fondatrice e redattrice Annarita Faggioni di Il Piacere di Scrivere ha contattato Italienreport per presentare il magazzino al suo sito. E adesso possiamo cinguettarlo: È giunta l’ora! Su questo LINK Italienreport è andato online con una propria presentazione italiano. Seguete il link, giungete alla versione italiana originale. Originale? Questo è Italienreport anche in tedesco. Chi non è possente della lingua italiana, comunque potrebbe cinguettare con noi. In seguito trovate l’articolo nella versione tedesca!

Buon divertimento e tutto un allegro risveglio della primavera auguratevi Italienreport! 

 
 
“Italienreport”: ein deutsch-italienisches Magazin oder 
„Liebe kann man nicht erklären“

 

„Liebe kann man nicht erklären…“ ist der Titel eines Liedes von Sergio Cammariere, den ich – eure Redakteurin von Italienreport – kennenlernte als ich ein Jahr in Italien lebte, um die Literatur und den Film des italienischen Neorealismus zu studieren und zu erforschen. Und ich kann meine Liebe zu Italien, die wie mir scheint, schon immer existiert, nicht erklären. Die Liebe zu Italien ist mit jeder Reise nach Italien, die ich in meinem Leben unternommen habe, gewachsen und sie endet nie, so wie es auch die Hauptfiguren im gleichnamigen Film von Roberto Rossellini lernen. Und diese Liebe ist nicht nur für mich eine alte Liebe, sondern auch für die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien im Allgemeinen, die bereits im Fränkischen Reich begonnen haben und die sich seit dem Mittelalter bis heute entfalten. Diese unendliche Sehnsucht ist der persönliche, aber auch historische Motor für das Online-Magazin, das sich Italienreport nennt und das die Germanistin und Künstlerin Friederike Römhild im Herbst 2014 gegründet hat. Für Italienreportist es möglich, diese lange Chronik einer Liebe zu dokumentieren, weil das Medium Blog eine fließende, offene und flexible Form für alle historischen, kulturellen und literarischen Ereignisse anbietet.

Es gibt verschiedene Rubriken, in denen Artikel, Rezensionen, Gedichte, Erzählungen, Filme, Bilder, Zeitschriften, Ereignisse präsentiert werden, die das italienische Leben behandeln – dasjenige in Italien und jenes in Deutschland. Die Struktur und die Namen der Rubriken sind durch die italienische Kultur selbst inspiriert: Das Lessico famigliare (Familienlexikon) berichtet zum Beispiel von den Neuerscheinungen und der Titel erinnert zugleich an das gleichnamige Hauptwerk (1963) von Natalia Ginzburg. Die Rubrik erinnert daran, dass Italien und Deutschland eine familiäre Freundschaft verbindet, die Italienreportkultivieren und dokumentieren möchte wie es bereits Alfred Andersch in Deutschland gemacht hat und durch den die Rubrik Ein Buch und eine Meinung – Titel einer Radiosendung der fünfziger Jahre –, inspiriert ist, um Buchrezensionen zu präsentieren. In der Rubrik „Cronaca di un amore“ findet man eine Sammlung der Geschichte der deutsch-italienischen Freundschaft wie sie durch die Politik, Wirtschaft, Kultur und das Alltagsleben konstituiert wurde. Der Titel Cronaca di un amore ist auch der Titel eines Films des Regisseurs Michelangelo Antonioni (1950). Auf dieselbe Weise erinnert auch die Rubrik „Conversazione a…“ an den Roman Conversazione in Sicilia(1941, Gespräch in Sizilien) des großen Autors Elio Vittorini und versammelt thematische Beiträge und Interviews. Diese Rubrik hat die Fähigkeit die medialen Wege diese Freundschaft zu reflektieren, zum Beispiel die Arbeit, die das Verlagshaus Klaus Wagenbach in Berlin seit 1964 betreibt. Die Zeitschriften wie z.B. „Zibaldone“ von Thomas Bremer und Titus Heydenreich , die seit 1986 erscheint, reflektieren die bilateralen Beziehungen ebenso. Wichtig sind z.B. auch die Beiträge von Franca Magnani, die Redakteurin für verschiedene deutsche Zeitungen in den fünfziger Jahren war und in den sechziger Jahren Korrespondentin für den deutschen Sender ARD. Italienreport stellt so die Frage, warum wie die Dinge von Italien wissen, die wir wissen. Ans Licht kommt so zum Beispiel, dass man in Deutschland sehr viele italienische Krimis liest, aber noch nicht sehr viel die italienische Lyrik, die neben Bildern in der Rubrik „giornale poetico“ präsentiert wird. Die Idee ist, auch diese medialen Strukturen der deutsch-italienischen Freundschaft zu reflektieren und die auch noch eher unbekannten Bereiche der italienischen Kultur sichtbar zu machen.

Also, Italienreport ist ein deutsches Magazin, dass sich mit den Beziehungen zwischen der italienischen und deutschen Literatur und Kultur beschäftigt und zwar im multimedialen, dokumentarischen und reflexiven Sinne. Die Vision von Italienreport ist ein öffentliches Archiv und ein literarisches und künstlerisches virtuelles Museum zu werden. Das Ziel wird sein, den Diskurs zwischen Italien und Deutschland mehr und mehr zu öffnen und die produktiven Prozesse zwischen den Ländern auch auf der verlegerischen Ebene weiterzuentwickeln. Das heißt, das Magazin versucht auch die Produkte und Zeugnisse der italienischen Kultur bekannt zu machen, die noch nicht Eingang in die Verlagshäuser und die Kunstausstellungen in Deutschland gefunden haben. Das Magazin ist so auch ein Laboratorium für neue Künstler, Debütanten und Autodidakten im digitalen und analogen Bereich. Sie können so schon heute in die kulturelle Tradition zwischen Italien und Deutschland eintreten. Italienreportmöchte eine moderne Agentur für die verschiedenen Farben der Liebe sein, die sich nicht erklären lässt, weil sie einfach ist.

Italienreport ist gemacht für alle, die diese Liebe für Italien teilen möchten, aber ebenso die Realität beider Länder. Für alle, denen die deutsch-italienische Freundschaft viel bedeutet und die diese Beziehung vorantreiben möchten. Gemacht für alle deutschen und italienischen Künstler, Autoren, Intellektuelle, die ihre Werke und ihre Gedanken in Italien oder in Deutschland präsentieren möchten. Für alle, die ein Netzwerk von Kontakten suchen und eine Plattform, um die Stereotypen, die Metaphern, die Traditionen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Länder zu kommunizieren. Italienreport möchte eine freie Brücke sein, die alle Interessierten überqueren können.

Serenissima

Giovanni Antonio Canal (genannt Canaletto), Canal Grande in Venedig, Blick nach Norden, aus der Nähe der Rialto Brücke, 1741/43, Öl auf Leinwand, Wallraff-Richartz-Museum & Foundation Corboud, Köln (Foto: © Rheinisches Bildarchiv, Köln)

Venedig zu Besuch im Wallraf-Richartz-Museum in  Köln

Bernardo Bellotto, Canal Grande in Venedig, Blick von der Rialto-Brücke nach Südwesten, um 1738/42, Öl auf Leinwand, Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich (Foto: SIK-ISEA, J.P.Kuhn)

“Serenissima” war Beiname der Republik Venedig, verkürzt aus dem offiziellen Staatstitel La Serenissima Repubblica di San Marco (Die allerdurchlauchteste Republik des Heiligen Markus). Die beiden Bilder sind noch bis zum 12. Februar 2017 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen. Die aktuelle Sonderausstellung “Von Dürer bis Van Gogh” präsentiert die Kunstsammlung Wallrafs im Vergleich zur Sammlung Bührle, eine der wichtigsten und größsten Kunstsammlungen europäischer Malerei, die vom Industriellen Emil Bührle Mitte der 1920er Jahre begonnen wurde. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges wechselte der Sitz der Sammlung von Pforzheim nach Zürich, wo sie heute im Besitz der durch die Nachkommen geführten Stiftung E. G. Bührle ist. Die Kölner Ausstellung führt diese beiden Sammlungen nun vergleichend zueinander und deckt dabei nicht nur Parallelen der Sammlungsgeschichte (wie in diesem Beispiel) auf, sondern auch Parallelen in der Produktionsgeschichte der Künstler selbst, insofern künstlerische Positionen des 19. und 20. Jahrhunderts zugleich als Auseinandersetzungen mit der älteren ästhetischen Tradition ansichtig werden.

Die beiden Darstellungen von der berühmten Rialto-Brücke in Venedig stehen noch in der Atmosphäre des Venedigs, das bis Ende des 18. Jahrhunderts eine weitreichende See- und Wirtschaftsmacht war, die der Adelsrepublik viel Reichtum bescherte.

Neben den Veduten Venedigs fertigte Bernardo Bellotto ebenso wie sein Onkel Canaletto (= Familie da Canal), auch zahlreiche Veduten anderer Städte, v.a. Wien, Warschau und Dresden an. Der Realismus der Darstellung war Produkt des Herstellungsprozesses: mithilfe der camera obscura” stellte Canaletto viele kleinere Zeichnungen her, die schließlich durch Vergrößerungen zu einem großen Gesamtbild zusammengefügt wurden. Während sein Onkel die Stadtansichten gewissermaßen aufräumte, um Idealbilder der Städte darzustellen, bezog Bellotto auch tägliche Aspekte des Lebens in seine Bilder mit ein. Die kleineren Veduten ersetzten gewissermaßen die Postkarte, die es als Medium damals noch nicht gab.

Bernardo Bellotto, Dresden vom rechten Ufer unterhalb der Augustbrücke,1748, Öl auf Leinwand, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden

Von Antonio Canal stammt auch das Gemälde Dresdens, das den so genannten “Canaletto-Blick” auf Dresden zeigt. Eine Spur also, die die deutsch-italienische Freundschaft als Wahrnehmungsgeschichte belegt und begründet.

Abbildungen:

Abb. 1 und 2: http://www.koeln.de/bilder/kategorie/diverses/galerie/duerer-bis-van-gogh/
Abb. 3: http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/show?id=135387#longDescription

Venezia in visita da Wallraf-Richartz-Museo a Colonia

“Serenissima“ è il soprannome della Repubblica Venezia, abbreviato dal titolo officiale dello Stato “La Serenissima Repubblica di San Marco). Si può vedere i due quadri ancora fino il 12. febbraio 2017 in Wallraf-Richtartz-Museum a Colonia. L’esposizione attuale „Von Dürer bis Van Gogh“ presenta la collezione d’arte di Walraff in paragone colla collezione di opere d’arte di Bührle, uno delle collezione di opere d’arte più importante e grande della pittura europea, che ha cominciato l’industriale Emil Bührle in mezzo agli anni venti del Novecento. In causa della seconda guerra mondiale il posto della collezione è cambiato da Pforzheim a Zurigo, dov’è oggi nel possesso della fondazione E. G. Bührle che hanno fondato i discendenti. L’esposizione di Colonia far incontrare in modo comparativo queste due collezioni di opere d’arte e fa vedere non solo i paralleli della storia delle collezioni (come in questo esempio), ma anche i paralleli della storia di produzione dei artisti. In questo senso si può osservare nell’esposizione anche i posizioni artistici del Otto- e Novecento in confronto colle traduzioni estetici più vecchi.

Le due rappresentazioni del famoso ponte di Rialto a Venezia fanno vedere ancora l’atmosfera di questa Venezia che fino il fine del Settecento era un’ ampia potenza navale ed economica che riserva tanta dovizia alla Repubblica gentilizia. Accanto delle vedute di Venezia Bernardo Bellotto fabbrica come il suo zio Canaletto (= famiglia da Canal) numerose vedute di altre città, soprattutto Vienna, Varsavia e Dresda. Il realismo della rappresentazione era il prodotto del processo di fabbricazione: tramite la “camera obscura” Canaletto faceva alcuni piccoli disegni che erano connessi di un quadro complessivo attraverso i suoi ampliamenti. Durante il zio per dire così ha messo in ordine le vedute di città per creare i visti ideali delle città, Bellotto ha fatto vedere anche la vita quotidiana nei suoi quadri. Le più piccole vedute hanno sostituito le cartoline postale che non erano ancora inventate come un medio.

Anche il quadro di Dresda discende da Antonio Canal. Lo fa vedere il cosìdetto “sguardo di Canaletto” su Dresda. Allora una treccia che spiega e dimostra l’amicizia tedesca-italiana anche come una storia della percezione.

Abbildungen:
Abb. 1 und 2: http://www.koeln.de/bilder/kategorie/diverses/galerie/duerer-bis-van-gogh/
Abb. 3: http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/show?id=135387#longDescription

 

Natalia Ginzburg: “Winter in den Abruzzen oder Orangen im Exil”

Blick auf ein Bergdorf in den Abruzzen
http://www.abruzzen-online.de/de/erlebnistour/top-winter-angebot

 

In der Erzählung “Winter in den Abruzzen” von Natalia Ginzburg passiert zunächst nicht viel und doch eine ganze Menge. Eine Familie lebt im Zweiten Weltkrieg im Exil in den Abruzzen. Mehr geschieht zunächst nicht. Doch die Begegnungen mit den Einheimischen, ihrem Aussehen ebenso wie ihren Angewohnheiten und Charaktereigenschaften, ihren Fragen und ihren Antworten füllen nicht nur die Tage, sondern tauen auch die Fremdheit zu ihnen und ihrem Lebenswandel auf. Die Isolation der Exilanten von der eigenen Identität – dem Leben in der Stadt, dem dortigen Alltag und seiner erblindenden Normalität – macht besonders aufmerksam auf menschliche, zwischenmenschliche Schicksale und Tugenden, auf die Kreisläufe und Verläufe des Lebens der Einheimischen wie auch des eigenen Lebens.

Das Exil entpuppt sich so als der Ort, an dem das neue Leben ebenso wie das Heimweh geboren werden. Das Heimweh schickt die verbannten Seelen in eine zweite Isolation, nämlich nicht nur die vom eigenen Leben, sondern auch die vom Leben der Anderen, der Fremden, bei denen sie Schutz erhalten und von denen sie als Heimatverlorene immer getrennt bleiben. Es tut weh, an zuhause zu denken und es tut genauso weh, nicht daran zu denken. „Zuweilen aber war das Heimweh stechend und bitter, es wurde zum Haß.“, heißt es in Ginzburgs Winter in den Abruzzen. Die Gefühle der Exilanten kommen an ihre Grenzen genau wie die städtischen Lebenszentren an ihre Ränder, die Peripherie der Berge, verschoben werden. Die gerade neu anvertrauten Freunde und Nachbarn werden in den Momenten des Heimwehs wieder zu Fremden des alten Lebens. Auf die Grenzüberschreitung folgen also weitere Grenzen, die inneren wie die äußeren, die zwischen Herberge und Verlorenheit, Gemeinschaft und Einsamkeit, zwischen Winter und Sommer, Leben und Tod, Krieg und Frieden, die immer wieder neu beschritten und ausgehandelt werden müssen.

Die rohe, aber auch idyllische Erinnerung an die Verbannung der Familie in ein Bergdorf in den Abruzzen wird durch ein jähes Ende in die Realität – die Zeitgeschichte des Zweiten Weltkrieges – zurückgeschleudert, als die Ermordung des Ehemannes durch die Nazis in einem römischen Gefängnis erzählt wird. Spätestens hier ist klar, dass Ginzburg  von ihrer eigenen Lebensgeschichte mit ihrem Mann Leone Ginzburg, dem Widerstandskämpfer und Mitbegründer des Einaudi Verlages in Turin, den sie 1938 heiratete und mit dem sie 1940 in die Abruzzen verbannt wurde, berichtet. Ihre Verbannung sollte gewährleisten, dass der Faschistisierungsprozess der italienischen Gesellschaft durch Benedetto Mussolini nicht gefährdet wurde. Spätestens jetzt wird ebenso klar, dass auch das Exil, in dem das junge Paar im Winter Orangen bei Girò kaufte, ein der Vergangenheit angehörendes Paradies der Familie war, in dem die Träume, Hoffnungen und Glaubensbekenntnisse an eine neue Zukunft, die sie einst im Exil begleiteten, ebenso unwiederbringlich sind wie das alte Leben, die Heimat und die Einheit der Familie. Die Authentizität dieser Texte rührt dabei nicht nur von dem Wissen um ihre Wahrheit, sondern auch von ihrer klaren, transparenten Sprache, mit der sowohl die erzählerischen als auch teilweise fast philosophischen Passagen begangen werden und die Ginzburgs gesamtes Werk prägt.

Nachzulesen ist diese Erzählung, diese Lebenserinnerung von Natalia Ginzburg u.a. in Italienische Weihnachten, Die schönsten Geschichten, gesammelt von Klaus Wagenbach, Berlin, Wagenbach 2007 bzw. in der Neuauflage im roten Leinen von 2016. Ursprünglich entstammt der Text dem Erzählungsband Die kleinen Tugenden von Natalia Ginzburg (2. Auflage 2016 im Wagenbach Verlag) und ist die erste Geschichte dieser Sammlung, die die Autorin selbst zusammengestellt hat. Wer die italienische Originalversionen bevorzugt, dem sei der Band Le piccole virtù, a cura di Domenico Scarpa aus dem Turiner Einaudi Verlag von 1998 [Erstausgabe 1962] empfohlen.

Neben Winter in den Abruzzen sind genauso die weiteren Erzählungen bzw. Essays lesenswert, etwa Die kaputten Schuhe/ Le scarpe rotte, in der die Bedeutsamkeit der vom Leben gezeichneten, der abgetragenen Schuhe nachempfunden wird. In Stille/ Silenzio werden die unterschiedlichen Erscheinungsweisen der Stille und des Schweigens reflektiert. In Menschliche Beziehungen/ I rapporti umani werden die menschlichen Beziehungen als ein eindeutiges und unmittelbares Problem in den Blick genommen, als eine täglich immer wieder neu zu erarbeitende Qualität. Da gibt es neben den Familienerinnerungen auch Freundschaften und andere menschliche Beziehungen, etwa die zu dem Schriftsteller Cesare Pavese oder zu Ginzburgs zweiten Ehemann Gabriele Baldini, die nicht die großen, sondern die kleinen Tugenden beschreiben.

„Ich weiß nicht, was mich zum Schreiben antreibt. Ich denke, wir schreiben, um mit unseren Nächsten zu kommunizieren.“, sagte Ginzburg einmal in einem Interview über ihr Schreiben. Und so fallen die Texte und ihre Inhalte mit der Form und ihrer Autorin unmittelbar zusammen, werden das Erzählen und das Erzählte zu einer Tugend wie Nächstenliebe, Selbstlosigkeit oder Bescheidenheit. Das Schreiben Ginzburgs ist also noch viel mehr als eine Dokumentation, es ist ein Gespräch, auch mit Ihnen, lieber Leser. Hören sie zu und nehmen sie teil!

Natalia Ginzburg: Inverno in Abruzzo o arancie in esilio

Nel racconto Inverno in Abbruzzo di Natalia Ginzburg succede non tanto e tuttavia una quantità. Una famiglia vive nella Seconda Guerra Mondiale nelesilio in Abbruzzo. Primo non succede più. Però i incontri con le persone del posto, con i loro aspetti, i loro abitudini del carattere, le loro domande e i loro risposti non colmano solo i suoi giorni, ma si disgelano anche la loro estraneità contro alle persone del posto e la loro condotta di vita. L’isolamento dei esuli dalla propria identità – la vita in città, la vita quotidiana di là e la normalità che fa cieco – fa vedere particolarmente i destini umani e le piccole virtù, i circulazioni e corsi della vita delle persone del posto e della propria vita.

L’esilio si svela come luogo a cui nascono la nuova vita e la nostalgia di patria. La nostalgia invia l’anime esiliate in un secondo isolamento, vale a dire non solo questo della propria vita, ma anche questo della vita degli altri, dei stranieri vicino a quelli ricevano la protezione. In veste dei profughi rimangono isolate. Fa male pensare a casa sua e proprio così fa male di non pensare a casa sua. “A volte la nostalgia si faceva acuta ed amara, e diventava odio […]”, si nota in Ginzburgs Inverno in Abruzzo. I sentimenti degli esuli pervengono alle sue frontiere come i profughi che sono gremiti dal centro della sua vita alle periferie dei monti e della società. I nuovi affidati amici e vicini diventano di nuovo stranieri della vita vecchia nei momenti in cui prevale la nostalgia. Ai sconfinamenti seguono nuove frontieri, quelle interno e fuori, quelle tra alloggio e sentirsi perso, quelle tra la comunità e la solitudine, tra l’inverno e l’estate, tra la vita e il morto, la Guerra e la pace che devono essere percorso e negoziato sempre di nuovo.
Il ricordo crudo ma anche idilliaco della messa al bando della famiglia a un villaggio di montagna in Abbruzzo diventa rilanciato in realtà – la storia recente della seconda guerra mondiale – tramite una fine dirupato quando il narratore racconta l’uccisione del marito per le naziste in una prigione romanesca. Al più tardi qui è chiaro che Ginzburg rapporta la sua propia autobiografia con il suo marito Leone Ginzburg, il partigiano e confondatore della casa editrice Einaudi a Torino, chi si sposa 1938 e con chi si è esiliata in Abbruzzo. La loro messa al bando dovevo garantire che il processo di diffondere il fascismo nella società italiana tramite Benedetto Mussolini non sarebbe stato in pericolo. Al più tardi adesso è anche chiaro che l’esilo in cui la coppia giovane compre le arrancie da Girò d’inverno era un paradiso del passato dalla famiglia in cui i sogni, le speranze e le professioni di fede in un future nuovo erano irrecuperabile come la vita vecchia, la patria e l’unità della famiglia. L’autenticità di questi testi non trarre origine solamente dal sapere della verità, ma anche dalla sua lingua chiara e trasparente con cui sia i brani narrativi che in parte anche filosofici sono scritti e l’opera complessivo di Ginzburg.

Si può rilettere il racconto di Natalia Ginzburg, questo ricordo della vita fra l’altro in Italienische Weihnachten, Die schönsten Geschichten, collezionato di Klaus Wagenbach, Berlino 2007 rispettivamente in edizione nuova di 2016. Primordiale il testo discende al volume di racconti Die kleinen Tugenden di Natalia Ginzburg (2. edizione di Wagenbach 2016) ed è il primo racconto del collezione che ha ragruppato l’autrice se stessa. Che preferisce la versione originale cui sei consigliato la collezione Le piccole virtù a cura di Domenico Scarpa di Einaudi, Torino 1998 [prima edizione 1962]. Accanto Inverno in Abruzzo sono raccomandabile anche gli altri racconti cioè saggi, per esempio Le scarpe rotte, in cui si rivive la significatività delle scarpe logorate e disegnate dalla vita. In Silenziosi riflette i diversi modi di apparenza della calma e del silenzio. In I rapporti umani si guarda ai rapporti umani di un problema chiaro e immediate nella quotidanità, di una qualità che si bisogna acquistare ogni giorno di nuovo. Ci sono accanto i ricordi famigliare l’amicizie e altri relazioni umani, per esempio col scrittore Cesare Pavese o col secondo marito di Natalia Ginzburg, Gabriele Baldini. Quelli non descrivono le grande, ma le piccole virtù. 

“Non so che cosa mi muove per scrivere. Penso che scriviamo per communicare con i nostril vicini.”, diceva Ginzburg una volta in una intervista attraverso la sua scrittura. E così i testi e i suoi contenti coincidono con la sua forma e la sua autrice stessa, il raccontare e il raccontato diventano una virtù come l’amore del promisso, generosità o modesta. Allora la scrittura die Ginzburg è di più di una documentazione, è una conversazione, anche con Lei, cari lettori. Ascoltate e partecipate!

Willkommen/Benvenuti 2017

Vespa italiana

Liebe Italienreport Leser!

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes neues Jahr 2017, möge es ein besonders gutes, sonniges und italienisches werden. Ich freue mich auf meine treuen Leser genauso wie auf viele neue Interessenten und Followers, die ich herzlich willkommen heißen möchte! Ist es im letzten Jahr etwas ruhig bei Italienreport gewesen, so lag das mit Sicherheit nicht an einem Mangel an Ereignissen, Veranstaltungen, Büchern, Bildern und meteorologischen wie politischen Stürmen, sondern an alltäglichen Anforderungen, die sich, Ihre Redakteurin Rike Römhild, zu bewältigen hatte. Umso mehr freue ich mich auf ein wort- und bilderreicheres Jahr mit Italienreport und all dem, was es hier zu entdecken gibt. Dabei wird es auch eine Neuigkeit geben: alle Beitröge sollen in Zukunft bilingual, also nicht mehr nur auf Deutsch, sondern auch auf Italienisch erscheinen. Der Grund dafür ist plausibel: Italienreport hat weitaus mehr italienische Follower auf Facebook und v.a. bei Twitter gefunden als ich es mir hätte vorstellen können. Und so hoffe ich, unsere deutsch-italienische Freundschaft auch sprachlich auf zwei feste Füße stellen zu können, reichlich zu pflegen und zu gestalten. Anregungen, Lob und Kritik sind herzlich willkommen!

Cari lettori di Italienreport!

Vi auguro un buon anno nuovo 2017, speriamo che diventi un anno particolarmente buono, soleggiato e italiano. Sono molto lieta di incontrare i miei lettori fedeli, ma anche tanti nuovi interessati e followers a cui vorrei dare il benarrivata! L’anno scorso è stato più calmo attorno a Italienreport non perché non ci sono stati vicende, eventi, manifestazioni culturali, libri, quadri e bufere meteorologiche come politiche, ma perché è stato piena di impegni quotodiani e professionale che io, Loro redattrice Friederike Römhild, avevo dovuto di superare. Per di più mi fa piacere cominciare con Italienreportun anno ricco di parole e immagini e con tutto che c’è da scoprire qui. Intanto c’è anche una novità: nel futuro tutti contributi diventano pubblicati bilingui, cioè non solo in tedesco, ma anche in italiano. La causa per questo è plausibile: Italienreport ha trovato molto di più followers italiani su Facebook e sopratutto Twitter che io mi avrei avuto immaginato all’inizio di questo magazzino. E così spero che possa basare nostra amicizia tedesca-italiana anche in senso linguistico su due piedi forti, coltivarla e configurarla riccamente. L’ispirazioni, la lode e la critica sono benvenuti!

Con i saluti migliori,
Rike Römhild

Folge 12: Natalia Ginzburg: “So ist es gewesen”

Natalia Ginzburg im Wagenbach Verlag

Der literarische Durchbruch einer italienischen Autorin oder von der Wahrheit der Liebe und des Lebens

Natalia Ginzburg stößt bereits im ersten Absatz der ersten Seite ihres zweiten Romans So ist es gewesen (1947) in das Mark ihrer Geschichte: „Ich habe ihm in die Augen geschossen.“, erzählt eine junge Frau, die ihrem Mann Alberto noch bei seinen Reisevorbereitungen hilft, bevor sie ihn ermorden wird und mit Regenmantel und Handschuhen in einen Park flüchtet, um sich und ihr Leben zu sammeln. Klar ist damit nicht nur, dass es in diesem kurzen Roman, der keine 100 Seiten umfasst, um Liebe, Ehe und Mord gehen wird, sondern klar ist auch, dass dieser Roman es von der ersten Sekunde an versteht, seinen Leser zu packen und eine Spannung zu erzeugen, die bis zur letzten Seite anhalten wird. Völlig schnörkellos und realistisch erzählt dieser Roman alles, was für die Geschichte notwendig ist, um die Wahrheit sowohl der Geschichte, als auch der Ästhetik und Sprache dieses Romans zu ergründen. „Ich habe zu ihm gesagt: »Sag mir die Wahrheit«, und er hat gesagt: »Welche Wahrheit?« und zeichnete rasch etwas in sein Notizbuch.“ Mit diesem Satz eröffnet Ginzburg ihren Roman und schickt damit zusammen mit dem Höhepunkt der Handlung die Moral der Geschichte ihrem Roman voraus: Was ist Wahrheit und gibt es überhaupt eine Wahrheit? Statt in weitschweifende philosophische Reflexionen oder abstrakte Charakterzeichnungen abzudriften, bleibt die Erzählerin ganz nah dran an der Geschichte, d.h. an der Realität und damit an der Wahrheit, für die das Leben geopfert wird – das eigene und das des anderen.

Verità va cercando, ch’è sí cara,

Come sa chi per lei vita rifiuta.

Um das zu verstehen, erinnert die Erzählerin ihre Vergangenheit in der Gegenwart: „Ich dachte darüber nach, was ich tun sollte. In Kürze würde ich zum Polizeipräsidium gehen, sagte ich mir. Ich würde versuchen zu erklären, wie die Dinge sich in etwa zugetragen hatten, aber es würde nicht leicht sein. Man muß beim ersten Tag beginnen (…).“ Und das macht sie dann auch, sie beginnt mit dem Kennenlernen ihres Mannes bei der Familie Gaudenzi, erzählt von ihren Eltern, den Spaziergängen und Treffen mit Alberto, ihrem Liebesgeständnis, dem Heiratsantrag, von Zweifeln und Widersprüchen, der Hochzeitsreise und der zunehmenden Entfremdung, von Zweisamkeiten und Dreiecksgeschichten, vom Schweigen und von verschwiegenen Affären, von der Geliebten ihres Mannes und der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, von Aufbrüchen und Rückkehrbewegungen, von Trennungen und Bindungen, von alten Zwängen und neuen Freiheiten, von unvorhersehbaren Ereignissen und jenem Mord, auf den dieser Roman von der ersten Seite an zusteuert.Die 1916 in Palermo geborene Natalia Ginzburg ist eine der wichtigsten italienischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ihr bekanntester Roman ist das Lessico familiare (Familienlexikon), das 1963 erschien und autobiographische Züge enthält. Ihr Frühwerk, etwa in eine ihrer ersten Erzählungen, Der Sommervon 1946, ist noch der Ästhetik des italienischen Neorealismus verpflichtet, bevor sie ihre ganz eigene realistische Sprache und ästhetische Nische in der italienischen Nachkriegsliteratur findet, die zwar dem Realistischen verpflichtet bleibt, sich jedoch nicht ohne weiteres einer Strömung zuordnen lässt. Über ihre schriftstellerischen Anfänge berichtete Natalia Ginzburg selbst: „Mir schien, als wollte ich den Neorealismus. Kurz gesagt, ich wollte dem entfliehen, was die Literatur in den Jahren des Faschismus gewesen war, also fern, distanziert. Weit weg von den Tatsachen des Lebens. Mir schien, der Neorealismus bedeute, sich dem Leben anzunähern, ins Leben, in die Wirklichkeit einzudringen.“1 Die Anfänge ihres Schreibens sind noch von der ästhetischen und ethischen Abgrenzung zum Faschismus und von ihrer Ehe mit Leone Ginzburg, einem antifaschistischen Widerstandskämpfer geprägt, nach dessen Ermordung 1945 durch deutsche Soldaten in einem römischen Gefängnis Natalia Ginzburg von Rom nach Turin zog. In Turin, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte, begann sie wenig später in einem der bedeutendsten Verlagshäuser Italiens, dem Verlag Einaudi, zu arbeiten. Dort traf sie auf die geistige Elite des Landes und der Nachkriegszeit: Italo Calvino oder etwa Cesare Pavese und Elio Vittorini, die u.a. wichtigsten Autoren des italienischen Neorealismus. 1952 folgte die junge Autorin ihrem zweiten Ehemann, dem Anglistik-Professor Gabriele Baldini, erneut nach Rom, bis sie gemeinsam 1959 nach London auswanderten, wo sie auch ihr bekanntestes und vielleicht wichtigstes Werk verfasste, jenes Familienlexikon, für das sie den Premio Strega erhielt. In diesem Werk brachte sie ihren realistischen Stil, den sie in den fünfziger Jahren entwickelte, zur Vollendung. Sie selbst sagte über ihren Roman: „Es zu schreiben war für mich genauso wie sprechen.“2 In diesem Roman vermischen sich Schreiben und Leben vollständig und werden familiärer Mikrokosmos, menschliche Erinnerung und Beobachtung bis aufs äußerste entfaltet. Letztere ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Werk.

Der Kurzroman So ist es gewesen (1947) markiert den Beginn dieses roten Fadens im Werk von Natalia Ginzburg und ist dabei so stringent und konsequent erzählt, wie fast keines ihrer nachfolgenden Werke mehr. Zurecht feierte Italo Calvino diesen Roman enthusiastisch, der im Schatten des darauf folgenden Werkes in Vergessenheit geraten zu sein scheint und den es unbedingt lohnt auf dieselbe Weise zu lesen wie er geschrieben worden ist: unnachgiebig, zügig, spannend, unmissverständlich und wahrhaftig.

Natalia Ginzburg:
So ist es gewesen,
Berlin: Wagenbach Verlag 2008.
93 Seiten. 9,80€
Anmerkungen
[1] Zitiert nach Albath, Maike: Der Geist von Turin. Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943, Berlin: Berenberg Verlag 2010. S. 147.
2 Zitiert nach Albath (2010): Der Geist von Turin. S. 149.

Mein Freund, der Mörder: wenn das Opfer seinen Mörder kennt

Die Gauner von Pizzofalcone

Ein neuer Fall für Commissario Lojacono aus Neapel oder Die Gauner von Pizzofalcone von Maurizio de Giovanni

Maurizio de Giovanni ist 1958 in Neapel geboren. Er hat zwar Literatur studiert, arbeitet aber hauptberuflich zeitlebens als Banker, um sich die Freiheit zu nehmen, mit dem Schreiben auch wieder aufzuhören, wenn ihm keine Geschichten mehr einfallen. Doch noch fallen sie ihm ein, Gott sei Dank, denn sie werden viel und gern gelesen, nicht nur in Italien und England sowie Amerika, auch in Deutschland. Die Serie um Kommissar Lojacono, der auch in diesem Kriminalroman ermittelt, begann 2012 mit dem ersten Fall  „Il metodo de coccodrillo“, der im Mondadori Verlag und 2014 erstmals in deutscher Sprache im Rowohlt-Verlag unter dem Titel „Das Krokodil“ erschien. Für seinen ersten Fall erhielt er den wichtigsten italienischen Preis für Krimis, den Premio Scerbanenco. Seit 2013 erscheinen de Giovannis Kriminalromane in Italien im renommierten Einaudi Verlag, der erstmalig „I bastardi di Pizzofalconi“ herausgab. Dieser Fall erscheint in drei Tagen, am 28. August 2016, in deutscher Sprache, natürlich wieder im Rowohlt-Verlag. Wieder besticht bereits der Einband durch sein dargestelltes Schattenspiel in Gelb-Orange und Braun bis Schwarz wie bereits „Das Krokodil“. Kaum zu übersehen sein dürfte daher der zweite Falle des Commissario Lojacono in den Buchhandlungen, in denen Maurizio de Giovanni bereits zum beständigen Inventar gehört. Parallel zu Commissario Lojacono ermittelt nämlich auch seine eigentlich erste Ermittlerfigur, Commissario Ricciardi, den de Giovanni das erste Mal bereits 2006 mit „Le Lacrime del Pagliaccio“ (Einaudi) in die Welt des Bösen schickte. In diesem Jahr erschien auch hier ein neuer Fall, „Serenata senza nome. Notturno per il commissario Ricciardi“ (Einaudi 2016). Getrost könnte Maurizio de Giovanni, der als einer der wichtigsten italienischen Krimi-Autoren angesehen werden kann, allein von seinen Büchern Leben. Doch vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis seiner Fantasie, die sich nicht kommerzialisieren muss, um zu überleben und gerade deshalb ungebrochen weiterzuerzählen vermag. Übrigens ist de Giovanni nicht nur Krimi-Autor, sondern auch Autor zahlreicher Erzählungen, die den deutschen Lesern bisher unbekannt sein dürften. Doch es gibt ja auch so viel noch zu lesen, denn in italienischer Sprache liegen bereits drei weitere Fälle seiner Kommissare vor. Es bleibt also spannend! In „Die Gauner von Pizzofalcone“ führt es den Commissario, der gerade erst in seinem neuen Kommissariat in Pizzofalcone seine Arbeit aufnimmt, in die besten Viertel Neapels, in dem die Gattin eines Notars tot aufgefunden wird. Nicht nur kämpft Lojacono gegen den schlechten Ruf seiner Vorgänger an, sondern auch gegen die undurchsichtige Faktenlage, die darauf hindeutet, dass der Mörder nicht irgendjemand, sondern ein Bekannter des Opfers gewesen sein muss…

Maurizio de Giovanni: Die Gauner von Pizzofalcone, Lojacono ermittelt in Neapel,
aus dem Italienischen von Susanne van Volxem, Berlin: Rowohlt 2016. 9,99€
 
Auf der Homepage des Rowohlt Verlages stehen ein Interview mit dem Autor und eine Leseprobe bereit: http://www.rowohlt.de/news/inspektor-lojacono-neapel-das-krokodil.html
 
Wer mehr über den italienischen Krimi erfahren möchte, sei herzlich zu Italienreports7. Folge vom 29. November 2015 in der Rubrik „Conversazione a…“ eingeladen:
 
Italienische Krimis und deutsche Leser – eine unbekannte Liebe?
Über italienische Kommissare aus Deutschland und
deutsche Übersetzungen aus dem Italienischen

deutsch-italienische Grenzgänge

Grenzgänge des Fotografen Valerio Vincenzo

Valerio Vincenzo ist ein italienischer Fotograf, der über acht Jahre lang die Grenzen innerhalb Europas, die geographischen, politischen und kulturellen, die physischen wie die mentalen Grenzen aufgespürt, erforscht und dokumentiert hat. Dabei zeigen die Fotografien oftmals nicht das, was man sich gerade in diesen Tagen der Flüchtlingskrise unter eine Grenze vorstellt. Vincenzos Fotografien laden ein Grenzen friedlich zu denken. Sie arbeiten sich damit weniger an den Grenzen der Vergangenheiten ab als an dem Entwurf von Grenzen in der Zukunft. Eine ästhetisch wie ethische Punktlandung vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse. Seht her, es lohnt sich! Mehr unter http://www.valeriovincenzo.com/

 
 

„Poesia Italiana, Italienische Lyrik“

Italienische Lyrik

Ausgewählt und übersetzt von Christoph Wilhelm Aigner, Società Dante Alighieri Salzburg 2015

Ein Autor, ein Gedicht, aber mehr als ein Jahrhundert. Diese Anthologie der Dante-Gesellschaft in Salzburg besticht durch ihre Klarheit und Prägnanz. Es werden insgesamt 22 Autoren und 22 Gedichte in italienischer Originalfassung und in deutscher Übersetzung des Schriftstellers Christoph Wilhelm Aigners präsentiert. Aigner ist neben seinen eigenen Dichtungen – er gilt als der bedeutendste zeitgenössische Lyriker Österreichs – v.a. für seine Übersetzungen von Giuseppe Ungaretti bekannt. Bereits seit 2003 übersetzt Aigner Gedichte aus dem Italienischen für die Programmzeitschrift der Società Dante Alighieri Salzburg, doch diese Anthologie ist die erste, die anlässlich des achtzigjährigen Bestehens der Dante-Gesellschaft in Salzburg 2015 erschienen ist.

Die Anthologie stellt vor jedem Gedicht seinen Autor auf einer Seite vor, indem biographische und manchmal rezeptionsästhetische Aspekte kurz und bündig dargestellt werden. Auf den folgenden Seiten erscheint jeweils linksseitig das italienische Gedicht und auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung. Auf insgesamt 96 Seiten erhält der Leser so einen Überblick über die italienische Lyrik beginnend bei Giacomo Leopardi im 19. Jahrhundert bis hin zu Silvia Bre, die zuletzt 2011 durch ihre Übersetzungen von Gedichten Emily Dickinsons in Erscheinung trat und in dieser Anthologie als Dichterin vorgestellt wird. Giorgio Simonetto verweist in seinem Vorwort zur Anthologie „Poesia Italiana“ auf die Größe dieser kleinen Anthologie: „Schritt für Schritt bildet seine [Aigners] Auswahl exemplarischer Texte eine essenzielle Landkarte italienischer Dichtung, die wesentliche Stationen des komplexen Weges von der Etablierung des modernen lyrischen Ichs bis zu den Entwicklungen unserer Tage veranschaulicht.“ (S. 5) Es ist eine Freude, dass Giorgio Simonetto ankündigt, dass es eine Fortsetzung dieser Anthologie geben wird. Hoffen wir Leser also, dass wir nicht allzu lange warten müssen.

Die hier vorgestellte Anthologie kann bei der Società Dante Alighieri online für 15 € bestellt werden: info@dante-salzburg.at . Wer mehr über und von der Società Dante Alighieri erfahren will, dem sei die Homepage www.dante-salzbur.at empfohlen.
Viel Vergnügen bei der Lektüre, Eure Italienreport-Redakteurin Rike Römhild